Kirchenschätze. Lutherisch - Reformiert - Uniert

Aus Anlass des 500-jährigen Jubiläums der Reformation ist eine Ausstellung im Museum der Stadt Ratingen an der Grabenstraße zu sehen, die sich mit der Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Ratingen befasst.

Bis zum 4. Februar 2018 kann die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Museums besucht werden.

 

 

Was gibt es zu sehen?

Die evangelische Kirche in Ratingen ist beinahe so alt wie die Reformation selbst. Schon 1520 findet sich ein erster Hinweis auf lutherische Christen in Ratingen. Und im Laufe des 16. Jahrhunderts entwickeln sich zwei lebendige Gemeinden – eine lutherische und eine reformierte. Leider finden sich erhaltene Schriften aus dem Kirchenarchiv erst vom Ende des 16. Jahrhunderts. In der Ausstellung im Ratinger Stadtmuseum werden aber auch originale Schriften der Reformationszeit zu sehen sein. Neben den historischen Dokumenten sind seltene Bibelausgaben, kostbares Kirchengerät sowie beispielsweise bemalte, alte Orgelpfeifen aus der Weidtmann-Werkstatt zu sehen. Dazu kommt eine rheinische Besonderheit: Siegburger Töpfer verzierten im 16. Jahrhundert ihre Keramik mit einer Vielzahl von religiösen Bildern, von denen manche auf die Reformation hinweisen. In der Ausstellung ist unter anderem eine Becher-Scherbe zu sehen, die einen Papstkopf zeigt, der in einen Teufelskopf übergeht.

Wo liegt Muralt?

Auch er wird ein Thema der Ausstellung im Stadtmuseum sein – Wilhelm von Muralt, Angehöriger einer angesehenen Berner Familie und Oberst eines Schweizer Regiments, das bei der Belagerung von Kaiserswerth 1702 beteiligt war. Bei einem der Angriffe gefallen, wurde er in der Ratinger Stadtkirche im Altarraum beigesetzt, wo heute noch eine Grabinschrift an ihn erinnert. In der Ausstellung kann man Muralt wieder ins Gesicht blicken – ein Gemälde kommt aus Bern. Bekannt ist mittlerweile auch wieder, wie die zerstörte Umrahmung der Grabinschrift aussah: Ein exaktes, farbiges Bild hat sich im Berner Familienarchiv wiedergefunden. Leider wurde 1965, beim Bau einer Bodenheizung in der Stadtkirche, das Grab von Muralt geöffnet, aber nicht wissenschaftliche bearbeitet. Dasselbe gilt für ein weiteres Grab im Altarraum. Was ist damals mit den sterblichen Überresten des berühmten Mannes geschehen? Wurden sie an gleicher Stelle wieder beigesetzt? Und wo liegen die Gebeine aus einem anderen Grab, an dessen Stelle sich jetzt ein Heizungsschacht befindet? Wer weiterhelfen kann, wende sich bitte an Pfarrer Stephan Weimann, Tel.: 02102/490411.

Ein großer Wurf – die evangelische Kirche in Tiefenbroich

Auch von der Planung und Gestaltung der Paul-Gerhardt-Kirche wird in der Ausstellung im Ratinger Stadtmuseum erzählt.

Mit ihren mittlerweile 61 Jahren sieht sie heute vielleicht nicht mehr hochmodern aus: Zu ihrer Zeit (1956) war sie aber ein großer Wurf, eine bemerkenswerte architektonische Leistung. Der Kirchenturm steht frei – nur durch eine Eingangshalle mit der Kirche verbunden. Die Kirche selbst ist ein Mehrzweckraum, in dem auch Veranstaltungen stattfinden können und Jugendliche Platz für ihre Gruppen haben. Großzügig ist sie gestaltet, schon damals hatte sie Stühle statt der Kirchenbänke und der Kirchenraum bekommt reichlich Licht. So kann man der evangelischen Kirche in Tiefenbroich, die heute Paul-Gerhardt-Kirche heißt, ein großes Lob aussprechen: Sie ist auch heute noch praktisch und ideal für die Gemeinde geeignet – eben ein großer Wurf!


Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog, der im Museum erworben werden kann.

 

 

 

 

Stadtmuseum Ratingen, Eingang Grabenstraße 21, 40878 Ratingen

 

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr

Link zur Museumsseite mit weiteren Informationen: http://www.stadt-ratingen.de/


(Fotos links: Detail vom Abendmahlkelch und Ev. Kirche in Tiefenbroich, 1956)