Hengstenberg und Petersen: ein reformiert-lutherisches Duo

Wir schreiben das Jahr 1817. Der preußische König - sehr an religiösen und kirchlichen Fragen interessiert – hat die reformierten und lutherischen Gemeinden in seinem Herrschaftsbereich aufgefordert, die „Union“ zu vollziehen, also gemeinsame Gemeinden zu bilden.
In Ratingen wendet sich der lutherische Pfarrer Gottfried Christian Petersen umgehend an seinen reformierten Kollegen Gottlieb Christoph Hengstenberg.
Noch im gleichen Jahr beschließen die reformierten und lutherischen Beauftragten – u. a. Fabrikant Brügelmann aus Cromford – den Zusammenschluss.
Hengstenberg und Petersen dürfen beide bleiben – die neue unierte Gemeinde hat bis 1827 zwei Pfarrer. Aber die Einheit geht noch weiter: Petersen heiratet 1822 die Tochter Hengstenbergs, Helena Wilhelmina. Sie wird bis zum Jahr 1840 neun Kinder bekommen – und stirbt bei der Geburt des letzten Kindes. Ein Jahr später verstirbt auch ihr Vater. Über den Gräbern wird ein Grabmal errichtet, das bis zum heutigen Tag an der Ecke Grabenstraße/Friedhofstraße zu sehen ist. Leider ist nur die Inschrift für „Wilhelmine Hengstenberg, verehelichte Pastorin Petersen“ erhalten geblieben. Es handelt sich aber um die gemeinsame Gruft der Familien Hengstenberg und Petersen. Petersen wurde 1851 in den Ruhestand versetzt und starb im Jahr 1852.
So endete die Geschichte eines ungewöhnlichen Duos: Eines lutherischen und eines reformierten Pfarrers, die trotz aller Unterschiede zwischen ihren Kirchen die Union wollten – sogar bis in ihr Familienleben hinein. Erwähnt sei noch, dass das Pfarrerduo Petersen/Hengstenberg eine lange Dienstzeit aufzuweisen hatte: jeweils 42 Jahre!
Der preußische König belohnte die Vereinigung der reformierten und der lutherischen Gemeinde mit einer Unionsmedaille, die nur diejenigen Gemeinden bekamen, die die Union freiwillig vollzogen hatten.

 

Ein Beitrag aus dem neuen Gemeindebrief von Pfarrer Stefan Weimann

(Foto: Stefan Weimann)